Motorradtransport mit dem Transporter – so wird es gemacht

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Egal ob zur Rennstrecke, zur Urlaubsfahrt, bei Kauf oder Verkauf oder einfach nur in die Werkstatt. Es gibt viele Gründe warum ein Motorrad auf vier statt auf zwei Rädern bewegt wird. Neben dem Anhänger bietet sich ein Transporter an. Auf was beim Motorradtransport zu achten ist, habe ich für Euch zusammengefasst.

Platz für 2 - 4 Motorräder bietet ein Transporter der Größe L4H2

Platz für 2 – 4 Motorräder bietet ein Transporter der Größe L4H2

Auf dem Weg zu den diesjährigen TwinsOnly in Oschersleben war ich bequem. Statt den üblichen Anhänger zu verwenden habe ich einen Motorradtransporter von Europcar gemietet. Bequem deshalb, weil es neben dem Auto gleich das gesamte Equipment, wie Rampe Gurte und Co. dazu gab. Da ich oft auf die optimale Transportmethode angesprochen werde hier nun ein kleiner „Leitfaden“ für das richtige Vorgehen.

Erste Runde – Welcher Transporter ist für den Motorradtransport geeignet

Zuerst gilt es ein passendes Fahrzeug zu organisieren. Fallen „Vitamin B“ oder eigener Firmentransporter aus, ist der Weg zum Autovermieter die richtige Wahl. Die klassischen Transporter bis 3,5 Tonnen sind mit dem Führerschein der Klasse B zu fahren. Wer noch den alten Führerschein der Klasse 3 besitzt, darf bis zu 7,5 Tonnen schwere LKW fahren. Transporter werden nach Länge („L“) und Höhe („H“) klassifiziert. Möchte man nur 1 – 2 Motorräder transportieren, genügt ein Transporter der Klasse L1H1, wie z.B. VW T5 oder Mercedes Vito in Standardgröße. Beachtet bitte, dass ausladende Tourer oder Chopper mehr Platz benötigen.

Für meinen Fall habe ich einen Transporter L4H2 gewählt. Für 3 Motorräder nebst Beiwerk die ideale Größe. Generell empfehle ich für den Motorradtransport einen Transporter mit Hochdach, möchte man doch bequem Ein- und Ausladen können und sich nicht den Kopf am Dach stoßen.

Erste Runde – das Einladen des Motorrades in den Transporter

Zum Einladen des Motorrades in den Transporter empfehle ich als erstes und wichtigstes einen Helfer. Man kann noch so stark und sicher sein. Ein Fehltritt oder kurzer Moment der Unaufmerksamkeit und das Motorrad liegt auf der Seite. Zum Einladen sollte die Rampe so am Transporter fixiert sein, dass ein möglichst gerades Rollen zum Stellplatz möglich ist. Dazu kann man bei vielen Transportern die Seitentüren abklappen. Dadurch können diese nicht durch Wind zugeweht werden und den Weg versperren, ebenso hat man mehr Platz zum rangieren. Den Unterschied könnt ihr auf dem Bild erkennen. Beim Hereinrollen gilt es Augenmaß zu bewahren. Getreu dem Motto Drehmoment ist wichtiger als Spitzenleistung gilt es, dass Motorrad kraftvoll aber nicht mit zuviel Schwung in den Transporter zu rollen. Zum einen kann sonst die Rampe schnell von der Laderampe springen, zum anderen hat man bei hoher Geschwindigkeit Probleme die Stufe in den Transporter sicher zu meistern – besonders wenn es an Erfahrung fehlt. Achtet dabei unbedingt auf festes Schuhwerk, die Badelatschen, wie im unteren Bild, sind nicht geeignet um sicheren Fußes in den Transporter zu gelangen.

 

Einladen des Motorrades in den Transporter

Einladen des Motorrades in den Transporter

Der Helfer sollte dabei das Motorrad locker mitführen, jedoch nicht aktiv eingreifen solange alles „läuft“. Warum? Probiert es mal aus. Sobald der Helfer mitschiebt beeinflusst er die Richtung des Motorrades. Eine blöde Situation für den Schiebenden, der ständig das Gefühl hat das Bike zu verlieren.

Achtung: Achtet auf die Bodenfreiheit des Motorrades, gerade vollverkleidete Bikes und Chopper haben eine geringe Bodenfreiheit und können bei einem ungünstigen Winkel der Rampe aufsetzen. Neben der Gefahr der Beschädigung kann das Motorrad auch beim plötzlichen Steckenbleiben umfallen. Ist das Motorrad zu tief hilft es die Verkleidung zu demontieren, eine andere längere Rampe zu verwenden oder anderweitig den Winkel zu verringern.

Besser zu zweit - und mit anderen Schuhen

Besser zu zweit – und mit anderen Schuhen

 

Ebenfalls gern gesehen – die Rampe wird zum Einladen verwendet aber dann nicht mitgenommen, da man davon ausgeht das am Abladeort entsprechende Rampen zur Verfügung stehen. Das kann schief gehen.

Viele versierte Transporteure fahren auch das Motorrad in den Transporter, indem sie neben dem Motorrad herlaufen und mit Kupplung und Gas den Kraftschluss herstellen. Kann gut gehen, für Hobby Transporteure empfehle ich dies jedoch nicht, da das richtige dosieren eine gewisse Erfahrung voraussetzt.

Zweite Runde – das Fixieren im Transporter

Hat es das Motorrad in den Transporter geschafft, muss dieses sicher fixiert werden, damit es zum einen nicht umfällt und sich selbst beschädigt. Aber auch im Falle eines Ausweichmanövers, einer Vollbremsung oder eines Unfalls das der Motorradtransport nicht zur Gefahr für die Insassen werden. Dazu muss das Motorrad gerade und vorne an der Bordwand im Transporter fixiert werden. Motorradschienen oder Vorderradklemmen eignen sich dazu sehr gut. Ein weiterer Vorteil der Klemmen ist, dass diese das Motorrad auch ohne Gurte schon fixieren, so dass man bequem auch alleine Festgurten kann. Wenn man keine eigenen Klemmen besitzt, ist der komplette Motorradtransporter wie ich Ihn gemietet habe wirklich sehr praktisch.

Vorderradklemme

Vorderradklemme

Achtung: Niemals das Motorrad auf dem Seiten- oder Hauptständer fixieren. Der Ständer zerstört nicht nur die Bodenplatte des Transporters, auch kann er unter Last brechen und so das Motorrad umfallen.

Zum Verzurren verwendet man am Besten die vordere untere Gabelbrücke und hintere massive Rahmenteile, die es ermöglichen in jeweils ca 45 Grad Winkel abzuspannen. Beachtet bitte, dass auch hier eventuelle Verkleidungsteile im Weg sein können, es droht Zerstörung dieser, wenn die Gurte diese auseinanderziehen. Einige weniger Motorräder lassen sich vorne schwer über die Gabelbrücken abspannen. Hierfür gibt es spezielle Lenkerbefestigungsgurte, die das Problem lösen.

Sicheres Verzurren - 45 Grad nach vorne, 4 Gurte je Motorrad

Sicheres Verzurren – 45 Grad nach vorne, 4 Gurte je Motorrad

Beim Festzurren mit Ratschengurten gilt es Gefühl zu bewahren, zuviel Kraft ist unangebracht, da bei zu starker Spannung die Federelemente leiden können. Im Extremfall verliert die Gabel dann Öl und muss überholt werden.

Schwierig wird es, wenn mehrere Motorräder transportiert werden müssen. Miettransporter bieten oft nicht genug Zurrösen. Hier muss man ein wenig Kreativität beweisen und die Gurte clever verlegen.

Beim Transport von mehr als 2 Motorrädern sollte die hintere Reihe direkt mit dem Vorderrad an das Hinterrad des Vorderbikes gestellt werden, damit spielfrei nach vorne gespannt werden kann und die Motorräder nicht „wandern“ können.

Motorräder hintereinander transportieren

Motorräder hintereinander transportieren

 

Boxenstop – ein Transporter hat angenehme Nebeneffekte

Neben dem reinen Transport des Motorrades hat so ein Transporter auch noch andere angenehme Effekte. So kann man auch das gesamte weitere Equipment das man für einen Ausflug benötigt transportieren. Ebenso spart man sich, ein wenig Liebe zum Campen vorausgesetzt, das Hotel oder das Zelt wenn man den Transporter als Schlafgelegenheit nutzt. Trocken ist es allemal und der Weg zur Box oder zum geliebten Motorrad ist unschlagbar kurz.

Weiterhin gilt für den Transporter keine 80 oder 100 km/h Begrenzung wie für den PKW mit Anhänger – auf lange Autobahnetappen kann sich der Unterschied schon bemerkbar machen, bei mittlerweile annäherndem PKW Komfort für die Passagiere.

Pause zwischendurch - Möglichkeit den Transporter als Zelt zu benutzen

Pause zwischendurch – Möglichkeit den Transporter als Zelt zu benutzen

Schwarze Flagge – das kann schief gehen beim Transport

Natürlich gibt es auch einige Dinge, die immer wieder falsch gemacht werden. Diese habe ich hier nochmal kurz in Stichpunkten zusammengefasst:

  • zu kleinen Transporter gewählt – Platz reicht nicht aus
  • zu großen Transporter gewählt – viel Luft und Raum für nichts
  • keine passende Rampe gefunden – Ersatz aus Holzbohle und Co hält das Motorrad nicht
  • kein Helfer dabei – beim Einladen gestolpert oder nicht genug Kraft – Motorrad umgefallen
  • Motorrad setzt auf – fällt um oder zerstört die Verkleidung
  • keine entsprechenden Gurte dabei
  • Motorrad falsch positioniert, lässt sich nicht sicher fixieren
  • Motorrad auf Seitenständer gestellt
  • Gurte zu lose gespannt, Motorrad fällt um
  • Gurte zu fest gezogen, Schäden am Motorrad
  • Gurte falsch gespannt, Motorrad löst sich
  • Zubehör / Rampe nicht gesichert, beschädigt Motorräder und Gefahr durch rutschende Ladung
  • vieles vieles mehr – ein kleines best off zeigt das Video :)

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 Fazit – darum ziehe ich den Transporter dem Anhänger vor

Beachtet man ein paar einfache Regeln ist der Motorradtransport im Kleintransporter eine schnelle unkomplizierte und bequeme Möglichkeit Mensch und Maschine durch ganz Europa zu bewegen. Dabei bleibt das Motorrad vor Wind und Wetter geschützt und auch neugierige Blicke haben es schwer ins Wageninnere zu gelangen. Der etwas höhere Preis gegenüber dem Anhänger lohnt sich aber  – besonders wenn man sich noch nicht mal um Rampe, Vorderradständer und Gurte kümmern muss.

Bildergalerie – Motorradtransport im Transporter

 

Motorradtransport

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Comments

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Martin

Hallo, ich heiße Martin und habe mich entschlossen mit Motorradblogger viele Leute an meinem Hobby teilhaben zu lassen. Ich bin seit über 10 Jahren leidenschaftlicher Motorradfahrer und möchte hier über meine Erlebnisse und gefahrene Motorräder berichten. Über Eure Anregungen freue ich mich. Meine Seite auf Google+

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5 Responses

  1. Nils sagt:

    Wirklich guter und informativer Artikel. Und die Idiotengallerie ist zum schreien.

  2. Herbert sagt:

    Geniale Sache. Wusste garnicht, das es auch Transporter für Motorräder gibt bzw Einsätze dafür. Ich hab bisher immer nen Anhänger genommen der dafür gemacht war.

  3. John sagt:

    Sehr informativer Beitrag mit vielen guten Tipps

  4. Skully sagt:

    Hi Martin,
    auch wenn dieser Post schon ein bißchen her ist, noch ein Kommentar dazu. 1. Auch beim Autoverleiher darauf achten, das die Gurte noch zugelassen sind. Die Gurte müssen so ein Info-Fähnchen haben auf dem das maximale Gewicht steht UND das Ablaufdatum (zwei Jahre). Wenn es zum Unfall kommt und die Gurte kein gültiges Datum haben, gibt es Probleme mit der Versicherung. (Ich find das auch dämlich, aber diese Vorschriften kommen aus dem Transportgewerbe und sind gültig für Privatfahrer. Im Zweifel müsste mal jemand einen Grundsatzprozess führen. Aber wie gesagt, wenn man schon bei einem Profi einen Transporte leiht, sollten die Gurte die mitgemietet werden, auch zugelassen und gültig sein.

    2. Punkt: Es geht ja nicht nur um was ist die beste Transportmöglichkeit, sondern auch um Kosten. Was hat denn dein Transporter gekostet und was hätte dazu im Vergleich der Hänger gekostet?

  1. 26. Februar 2016

    […] Und am Ziel sind wir nun auch mit diesem Artikel. Ich möchte an dieser Stelle nochmal auf einen anderen Artikel auf dieser Seite verweisen, wo u.a. das Verladen in einen Transporter ausführlicher beschrieben wird: Klick mich! […]

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