Test: Ducati Multistrada 1200 S Grantourismo – Ducatis Antwort auf die BMW R 1200 GS

Beitrag teilen

Die Ducati Multistrada 1200 Grantourismo möchte Sport- und Tourenfahrer zugleich begeistern. Warum sie das so erfolgreich tut habe ich erfahren

 

Ducatis Versuche ein erfolgreiches Tourenmotorrad zu erschaffen endeten 2006 mit der ST Reihe. Trotzdem ich dieses Motorrad selber fahre und liebe konnte es die Kundschaft nicht begeistern. Diese erwarteten von der Marke aus Bologna nicht nur einen sportlichen Motor nebst Fahrwerk, sondern auch eine ansprechende Optik. Nach den relativ erfolglosen Multistrada 1000 & 1100 Modellen präsentierte Ducati 2010 die Multistrada 1200. Die Modelle entwickelten sich schnell zu Verkaufsschlagern. Die geliftete 2013er Variante mit Skyhook Fahrwerk konnte ich während einer Ducati4U Veranstaltung testen.

Multistrada im Kurztest am Sachsenring

Multistrada im Kurztest am Sachsenring

Die Optik der Multistrada polarisiert – typisch Ducati möchte sie nicht in der Masse untergehen

Gesehen habe ich die Multistrada 1200 schon des öfteren – betrachtet habe ich sie mir noch nie. Schließlich ist diese Art von Motorrad eigentlich nicht meins, fahre ich doch lieber Naked Bike, Supersportler oder Tourer, nicht aber eines dieser “Neumodernen” Alleskönner. Die Multistrada kommt mit einer typisch italienischen Optik daher, schaut man sich filigrane Teile genauer an, sieht man mit wieviel Liebe & Herzblut das Motorrad zusammengebaut wurde. An der Verarbeitung gab es nichts zu meckern -sicher, alle ausgestellten Bikes waren Pressefahrzeuge, trotzdem glaube ich nicht das hier nachgebessert wurde. Wirklich toll ist die Ausstattung der Multistrada, neben ABS & Traktionskontrolle (beides abschaltbar) gibt es 3 konfigurierbare Fahrmodi, einen ausführlichen Bordcomputer, eine verstellbare Scheibe & in der GT Variante sogar Zusatzscheinwerfer und Koffersystem mit Topcase. Die Sitzhöhe von 850mm erforderte einige Zugeständnisse beim Aufsteigen. Sicher statt elegant galt hier, schließlich wollte ich die Funktion der Sturzbügel nicht ausprobieren.

 

Testastretta II – andere würden es einfach nur Motor nennen

Angetrieben wird die Multistrada von Ducatis 11 Grad Testastretta (italienisch für schmaler Kopf) aus der 1198. Der wassergekühlte 2 Zylinder verfügt über 4 desmodromisch gesteuerte Ventile je Zylinder. Um die Fahrbahrkeit zu verbessern wurde der Motor anders abgestimmt – im Gegensatz zu den Superbikes steht Drehmoment vor Spitzenleistung.  Auf meiner Probefahrt bewegte ich mich Selbstverständlich im gesetzeskonformen, manchmal vielleicht 2 km/h darüber.  Der Antrieb gefiel vor allem durch sein typisch italienisches Temperament. Stark im Antritt und in hohen Drehzahlbereichen wie entfesselt schmolzen lange Geraden zu kurzen Momenten zusammen. Erfreut haben mich die (für V2 Verhältnisse) guten Manieren in niedrigen Drehzahlbereichen und die angemessene Handkraft der Ölbadkupplung mit sicherheitsfördernder Anti Hopping Funktion. Obwohl es viele anders sehen – ja ich finde es toll das große Ducatis nicht mehr klappen wie ein Sack loser Schrauben. So kann man sich klangmäßig ganz auf den Auspuff konzentrieren, klingt so oder so viel schöner.

Der Antrieb - sehr temperamentvoll

Der Antrieb – sehr temperamentvoll

Garant für volle Punkteränge – Fahrwerk & Bremsen auf hohem Niveau

Zum Glück gibt es rund um den Sachsenring auch Kurven. So konnte ich dem neuen Skyhook auf den Zahn fühlen. Das System passt die Dämpfungscharakteristik der Federelemente in Abhängigkeit des gewählten Fahrmodi automatisch an den Fahrbahnzustand an, das lästige Einstellen der Zug- und Druckstufe entfällt. Wie das funktioniert? Keine Ahnung – dazu fehlt mir der direkte Vergleich zum Vorgänger. Fakt ist nur, dass ich die Unterschiede in den Modi deutlich spüren konnte. Je nach Lust, Laune & Einsatzzweck lässt sich die Strada, ganz namenskonform “Multi” einsetzen. Von Sofa bis sportlich direkt ist alles drin. Auf der Rennstrecke wurde ich ein paar Minuten später dann auch von einer Multi überholt, das Potential des Motorrades ist wirklich toll. Dazu passen die edlen Brembo Stopper in radialer Ausführung.  Gewünscht hätte ich mir die edlen Mono Stopper, dies aber wohl eher aus Image als aus technischen Gründen. Die Unterschiede zu den geschraubten Stoppern können wohl nur erfahrene Fahrer erleben.

Darum gefällt mir die Multistrada 1200 – und darum nicht

Ich mag die Multistrada - am liebsten als Pikes Peak

Ich mag die Multistrada – am liebsten als Pikes Peak

An der Multi gefällt mir dieses souveräne Gefühl Herr der Lage zu sein – aufrecht und hoch sitzt man im bequemen Sattel, der Wind bleibt draussen und der bärige V2 bringt die Fuhre nach vorne – genial und gefährlich zugleich, denn Geschwindigkeit ist kaum fühlbar. Wirklich toll ist auch wie leichtfüßig und dennoch schnell das Bike ums Eck geht – nicht umsonst ist die Strada die Dynamikerin unter den Reisedampfern. Was gefällt mir nicht? Nun ja, zum einen der Preis und zum anderes das hohe Gewicht, das in Verbindung mit der Höhe das Rangieren für mich etwas schwierig gestaltete – der Preis für soviel Ausstattung und Fülle. Würde ich mir die Multi kaufen? In Pikes Peak Variante garantiert. Auf jedenfall hat mich das Konzept überzeugt. Egal ob für die sportliche Hatz, den täglichen Weg zur Arbeit oder den sportlichen Ausritt. Die Multi machts. Bei mir stellt sich die Frage, ob 3 verschiedene Motorräder im Stall nun tatsächlich noch Sinn machen.

Technische Daten Ducati Multistrada 1200 Grantourismo

  • Motor: Testastretta II L-Twin, 4 Ventile je Zylinder, 11 Grad Ventilüberschneidung
  • Hubraum: 1198 cm³
  • Verdichtung: 11,5:1
  • Leistung: 150 PS bei 9.250 u/min
  • Drehmoment: 124,5 NM bei 7500 u/min
  • Getriebe: 6 Gang
  • Kupplung: Ölbadkupplung, hydraulisch betätigt mit Servo Funktion und Anti Hopping Funktion
  • Rahmen: Stahl Gitterrohrrahmen
  • Dämpfung vorn: Upside Down Gabel, 48mm Durchmesser, Zug- und Druckstufe automatisch und manuell einstellbar (Skyhook), 170mm Federweg
  • Dämpfung hinten, automatisch und manuell einstellbar (Skyhook), 170mm Federweg
  • Bremse vorn: 320mm Doppelscheibe, Brembo 4 Kolben Sättel (radial), ABS
  • Bremse hinten: 245mm Einscheibe, Brembo 2 Kolben Bremssattel
  • Sicherheit: ABS, DTC, voll einstellbares Fahrwerk, frei konfigurierbare Fahrmodi
  • Gewicht: 217 KG Trocken, 245 KG Fahrfertig
  • Sitzhöhe: 850 mm
  • Tankinhalt: 20 Liter
  • Wartungsintervall: 12.000 KM (Ventilspielprüfung alle 24.000 KM)
  • Preis: 20.690 € + 345 € Überfügungskosten (2014)
  • Konkurrenten: Triumph Tiger, BMW R1200 GS, Moto Guzzi Stelvio (u.a.)

 

 

 

Multistrada1200GT

Comments

comments

Martin

Hallo, ich heiße Martin und habe mich entschlossen mit Motorradblogger viele Leute an meinem Hobby teilhaben zu lassen. Ich bin seit über 10 Jahren leidenschaftlicher Motorradfahrer und möchte hier über meine Erlebnisse und gefahrene Motorräder berichten. Über Eure Anregungen freue ich mich. Meine Seite auf Google+

Vielleicht interessiert Dich auch.

4 Responses

  1. Franz sagt:

    Meine PP ist alles ander als schwer. Das Trockengewicht mit Antiblockiersystem ist 196 kg, das fahrbereite Gewicht 224 kg (offiziell), bei mir ist sie dank sehr leichter Räder noch ein wenig leichter.
    Alle anderen in ihrer Klasse (siehe BMW) sind die reinsten Schwergewichte dagegen.

  2. Heiko sagt:

    Gerade als Leichtgewicht in ihrer Klasse konnte ich mich auch für die Ducati Multistrada 1200 S Grandtourismo begeistern. Aber wenn sie nicht auf Begeisterung bei Deinen Kunden stösst, schafft sie es wohl doch nicht die breite Masse zu begeistern. Schade.

  1. 27. April 2015

    […] fragt man sich auf den ersten flüchtigen Blick schon was dem Modell so neu sein soll. Schon das Vorgängermodell gefiel beim Kurztest 2013 mit agilem Fahrverhalten, hohem Komfort und hoher Sicherheit. Oft genug setzte Sie den Benchmark […]

Schreibe einen Kommentar zu Martin Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.