Test: Kann die Ninja 300 ABS von Kawasaki überzeugen?

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5.490 €, serienmäßiges ABS – 300 Kubik und nur 39 PS. Die Eckdaten klingen eher nach Vernunft als nach Fahrspaß. Die kleine Ninja 300 bietet  im Test aber durchaus mehr.

Motorradblogger mit Ninja 300Nach eher unvernüftigen Motorrädern wie der KTM 690 SMC R und der Triumph Daytona 675 SE entschied ich mich bei meinem dritten Tracktest für ein bodenständiges Motorrad, dass von Führerscheinneulingen und Wiedereinsteigern einfach bedient werden kann. Dank Motorrad Roewer in Berlin war ein Testtermin unkompliziert möglich. Leider spielte das Wetter mal wieder Deutschland – mehr als die Hälfte der Testdistanz spulte ich im Regen ab. Schlecht für Fotos und Gesundheit – gut um herauszufinden wie unkompliziert und sicher die kleine Ninja selbst bei schwierigen Fahrbahnverhältnissen zu handeln ist.

Sieht aus wie eine große – von außen kein Hinweis auf den Hubraum

Kawasaki weiß wohl um das Imageproblem der Einstiegsklasse. Von aussen findet sich kein Hinweis auf den kleinen Hubraum. Schaut man sich die Kawasaki genauer an, findet sich in vielen Details das Design größerer Schwertkämpfer wieder. Optisch finde ich das Motorrad gelungen. Einzig an das Felgendesign konnte ich mich nicht gewöhnen. Die Verarbeitung ist zwar einfach, aber nirgendwo billig. Kritikpunkt hier bleibt der Fußbremshebel. Dieser ist sicher  günstig zu ersetzen und bietet auch bei Nässe einen super Grip, das Aussehen taugt aber eher für die Vorserie.

Cockpit Ninja 300Die Bedienung gibt keine Rätsel auf. Es stehen weder verschiedene Mappings noch andere Besonderheiten bereit. Das Cockpit ist wie üblich eine Mischung aus analogem Drehzahlmesser und digitalem Instrument. Die Ablesbarkeit ist auch bei Sonne einwandfrei, nachts ist das Display weiß hinterleuchtet. Neben der Geschwindigkeit und den üblichen Kontrolleuchten gibt es eine recht genaue Tankanzeige. Leider fiel eine Wassertemperaturanzeige dem Roststift zum Opfer . So fällt es schwer einen Anhaltspunkt für die Betriebstemperatur des Motors zu erhalten.

Positiv aufgefallen sind die Aussenspiegel. Neben einem für Serienspiegel ansprechenden Design und guter Sichtbarkeit ließen sich diese auch mit einer Rastung einklappen. Dies wünsche ich mir für viele andere Motorräder.

Allein zu Zweit oder mit Gepäck – die Ninja macht`s mit

solide Fußraste mit HaltepunktDie Sitzposition ist entgegen meiner ersten Vermutung durchaus Langstreckentauglich. Die Federung ist sportlich straff, trotzdem werden fiese Bodenwellen erfolgreich weggefedert. Die zweite Überraschung in diesem Bereich ist die Soziustauglichkeit. Das kleine Sitzpolster bietet auch hier einen guten Komfort, dazu ist der Kniewinkel deutlich angenehmer als bei vielen zuvor gefahreren und getesteten Motorrädern. Ein Durchschlagen der Federung konnte ich auch im Soziusbetrieb nicht provozieren. Das Kawasaki den praktischen Nutzen im Fokus hatte zeigt sich auch bei der Möglichkeit, Gepäck zu verstauen. An den Soziusrasten wie auch im Heckbereich befinden Gepäckhaken um Rollen und Co. zu befestigen.

Ninja ist japanisch und steht für “Kämpfer” – fährt die kleine auch so?

Die erste Ninja hatte 1995 98 PS aus 600 ccm³ und 4 Zylindern. In der kleinsten Maschine der Ninja Reihe müssen  heute 2 Zylinder und 300 ccm³ reichen. Das 39 PS und 27 NM keine Bäume ausreissen sollte jedem klar sein. Trotzdem bin ich  vom Antrieb der Ninja enttäuscht. Erwartet habe ich einen spürbaren Leistungszuwachs im oberen Drehzahlbereich. Stattdessen gibt es eine völlig homogene Leistungsabgabe zwischen 2.500 u/min und 11.500 u /min. Um im Verkehr mithalten zu können, muss der Motor permanent bei Drehzahl gehalten werden. Überholvorgänge sollten wohl überlegt sein.  Dazu ist ständige Schaltarbeit gefragt. Zum Glück geben sich Kupplung und Getriebe einfach zu bedienen. Einzig ein leichtes Rupfen bei kalter Kupplung war zu bemerken. Der Klang aus dem Auspuff wandelt sich vom Rasentraktor im Leerlauf zum Schreihals am Begrenzer. Dies passt aber zum Charakter und unterstüzt das Gefühl das man schnell unterwegs ist. Der Blick auf den Tacho relativiert das dann meist sehr, schnell – gut für Führerschein und Sicherheit. Man fühlt sich sehr schnell, ist es aber gar nicht.Vergleich Ninja 300 Ducati Monster

Lastwechsel sind der kleinen völlig fremd, entsprechende Reaktion musste ich mit grobem Unfug provozieren. Legt man es darauf an ,erreicht der kleine Kämpfer liegend im Windschatten hinter der Vertreterfraktion knappe 180 km/H bei über 11.000 Umdrehungen. Generell ist das Drehzahlniveau hoch. Schon bei Landstraßentempo liegen knapp 7.000 Umdrehungen an. Es bleibt abzuwarten, ob die Standfestigkeit des Triebwerkes auch gegeben ist. Der Verbrauch im zügigen Testmittel lag bei 4.2 Litern. Kein Top Wert, die begleitende Ducati Monster 620 i.e. hat bei doppeltem Hubraum ähnliche Verbrauchswerte. Schenkt man der ECO Anzeige im Cockpit Beachtung, sind auch Werte mit einer deutlichen 3 vor dem Komma möglich.

Fahrwerk und Bremse – die Stärken der Ninja

Das Fahrgewicht der Ninja 300 ABS liegt bei nur 174 KG. Das verspricht in Kombination mit der schmalen Bereifung des No Name Herstellers Road Winner ein einfaches Handling. Hier wurden meine Erwartungen übertroffen. Zielsicher, präzise und vertrauenserweckend lässt sich die Ninja von einer Schräglage in die andere werfen. Jederzeit hat man das Gefühl absoluter Kontrolle. Das Motorrad vermittelt in engen Passagen, wo die Motorleistung keine Rolle spielt, einen enormen Fahrspaß. Das nicht einstellbare Fahrwerk erwies sich als optimal abgestimmt, der direkte Vergleich mit der mitgereisten Monster unterstrich dies.

Vorderbremse mit ABS SensorSehr gespannt war ich auf die Funktion  der Bremse mit  serienmäßigem ABS . Generell hat die Bremsanlage mit dem geringen Gewicht leichtes Spiel. Einmal auf Temperatur, verzögert die vordere 290 mm Scheibe zuverlässig und gut dosierbar. Aufgrund des regnerischen Wetters hatte ich genug Gelegenheit das ABS zu probieren. Kawasaki hat das System sehr defensiv und sicher abgestimmt. Hinten regelt die Bremse sehr früh und hart. Das verhindert ein Überbremsen zuverlässig, stört jedoch beim harten Anbremsen vor dem Einlenkpunkt. Vorne regelt das ABS feinfühliger. Auf trockener Fahrbahn probierte ich mehrfach die Stoppie Fähigkeit, das ABS erkannte dies jedesmal und regelte, Überschlag unmöglich! Kawasaki hat es geschafft Fahrwerk und Bremse sehr gut auf die Zielgruppe abzustimmen. Sportliche Fahrer wünschen sich ein wenig mehr Wahlmöglichkeiten, z.B. mit der Möglichkeit der Abschaltung des Systemes. Die Funktion des ABS Systems habe ich versucht auf regennassen Kopfsteinpflaster zu filmen. Hier das Video dazu:

 

Fazit

Für 5.490 € bekommt man bei Kawasaki das teuerste Motorrad der Einstiegsklasse mit ABS. Für den täglichen Gebrauch, den (Wieder) Einstieg oder den Fahrer der ein einfaches sportliches Motorrad für den Alltag sucht ist die Kawa eine gute Wahl. Knackige Optik gepaart mit einem Super Fahrwerk und einer tollen Bremse kombiniert mit Fahrspaß besonders auf engen Landstraßen – Danke Kawasaki für diesen Test.

Konkurrenz

Honda CBR 250 ABS 4.490 €

KTM Duke 390 ABS – 4.990

Für Detailverliebte – Fakten

  • Bezeichnung: Kawasaki Ninja 300 ABS
  • Preis: 5.595 €
  • Motor: 296 cm³ Paralleltwin – flüssigkeitsgekühlt
  • Bohrung x Hub (mm): 62 x 49
  • Gemischaufbereitung: Einspritzung mit 2 Sekundärdrosselklappen
  • Kupplung: Ölbad mit Anti Hopping Funktion
  • Getriebe: 6 Gang
  • Leistung: 39 PS bei 11.000 u/min
  • Drehmoment: 27 NM bei  10.000 u/min
  • Bremse vorn: Einscheibe, 290 mm Durchmesser, Zweikolbensattel, ABS
  • Bremse hinten: Einscheibe, 220 mm Durchmesser, Zweikolbensattel, ABS
  • Federung vorn: 37mm Teleskopgabel, nicht einstellbar
  • Federung hinten: Gasdruck Federbein, Federvorspannung einstellbar
  • Bereifung: 110 / 70 – 17 vorn, 140/ 70-17 hinten
  •  Tankinhalt: 17 Liter
  • Testverbrauch: 4.2 Liter / 100 KM
  • Gewicht fahrfertig: 174 KG
  • Sitzhöhe: 785 mm
  • lieferbare Farben: grün und schwarz
  • Mängel am Testfahrzeug: keine

 

 

 

Comments

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Martin

Hallo, ich heiße Martin und habe mich entschlossen mit Motorradblogger viele Leute an meinem Hobby teilhaben zu lassen. Ich bin seit über 10 Jahren leidenschaftlicher Motorradfahrer und möchte hier über meine Erlebnisse und gefahrene Motorräder berichten. Über Eure Anregungen freue ich mich. Meine Seite auf Google+

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8 Responses

  1. Patrick sagt:

    Halli Hallo,
    ich wohne in Berlin und möchte mir ein Motorrad für den Sommer zulegen, da ich dann leichter im Stau vorran komme und weil ich Spaß dran habe. Des weiteren kommt es öfter mal vor dass ich nach Bayern zu meiner Familie muss (300 KM).

    Ursprünglich wollte ich mal die alte Yamaha XJ 550 haben. Da es aber kaum noch gute zum Kaufen gibt wollte ich etwas neueres haben und bin auf die Kawasaki Ninja 300 gestoßen.

    Ist die Ninja für die Stadt geeignet? Werde ich damit dauerhaft meinen Spaß haben?

    Würde mich sehr über eine Antwort freuen.

    Patrick

    • Martin sagt:

      Hallo Patrick,

      ich denke das Die Ninja für die Stadt super geeignet ist und Dir tausend mal mehr Spaß machen wird als die Yamaha, insofern du kein besonderes Faible für alte Maschinen hast. Daher solltest du mal beide fahren und dann entscheiden. Sag doch Bescheid wie die Entscheidung ausgegangen ist.

      Grüße

  2. Uwe Zeidler sagt:

    hallo, Martin
    bin (Bike) Fahranfänger und habe mir nach meinem A2 Schein und Deinem Test jetzt die Ninja 300 zugelegt. Kann alles nur bestätigen, was Du geschrieben hast. Besonders in der Stadt macht es Spass, einfaches Handling. Wenn`s flotter gehen sollen, wirds nach oben etwas schwach, aber ich brauchs nicht. Außerdem sieht man der Maschine tatsächlich nicht den kleinen Motor an, macht einiges her, insbesondere mit dem Monster Design, das ich dem Bike verpasst habe.

    Vielen Dank für den klasse Test.

    Uwe

  3. Robert Lange sagt:

    Hallo

    ich find auch das das Bike klasse aussieht (ganz in unserer Firmen Farbe ) und den Bericht finde ich auch Klasse.:)

    Viele Grüße

  4. Matze sagt:

    Hallo,
    Bin 32 Jahre alt und habe jetzt den Führerschein Kl. A gemacht. Auf der Suche nach einem Motorrad bin ich auf die Kawasaki Ninja 300 gestoßen.
    Jetzt wollte ich gerne wissen, ob ich mir diese Maschine kaufen kann (als Anfänger) ? Oder ob ich zu alt für die KAWA bin. (zu wenig PS?)
    Freue mich über jede Antwort
    MfG
    Matze

    • Martin sagt:

      Hallo Matze,

      zu alt für das Bike bist Du sicher nicht – ob sie zu Dir passt kannst aber nur allein Du entscheiden, da gibt es kein klares Ja oder Nein. Also ab zum Händler, angucken, probefahren und dann entscheiden!

  5. Sven sagt:

    Ich besitze die Ninja 300 seid einigen Tagen und bin sehr zufrieden mit ihr. Auch ich bin schon etwas älter als die – von Kawasaki wohl angestrebte – jüngere Zielgruppe. Gelernt auf einer ER6 kann ich sagen, dass der Durchzug sicherlich etwas schwachbrüstiger ist – aber keineswegs schwach, sondern durchaus sportlich und für die allermeisten Situationen völlig ausreichend. Den Serienendtopf habe ich heute gegen ein Hurric SP getauscht und bin absolut zufrieden mit dem “neuen” Sound. Ich kann die Ninja 300 voll und ganz empfehlen.

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